Ich arbeite seit fast zwanzig Jahren mit WordPress — und ich war lange ein Überzeugungstäter. Nicht weil das CMS perfekt ist, sondern weil es pragmatisch war: Fertige Layouts, automatisch responsive Seiten, ein bewährtes Ökosystem. Die meisten Anforderungen eines regionalen Mittelständlers ließen sich damit in vernünftiger Zeit und zu vernünftigen Preisen umsetzen.
Das war der Deal: CMS-Overhead gegen Effizienzgewinn. Templates statt Pixelschubserei. Man hat auf fertige Strukturen gesetzt, weil Custom-Entwicklung schlicht zu aufwendig war, um sie für ein lokales Handwerksunternehmen wirtschaftlich anzubieten.
Was KI gerade verändert
In den letzten zwei Jahren hat sich etwas Grundlegendes verschoben. Moderne KI-Coding-Modelle — in Kombination mit durchdachten CI/CD-Workflows und modernen Toolchains — haben die Gleichung neu geschrieben. Dinge, für die ich früher bei einem vollständig individuellen CSS- und JavaScript-Design 30 Stunden gebraucht hätte, sind heute in einem Bruchteil der Zeit umsetzbar.
Das bedeutet nicht, dass Qualität wegfällt. Es bedeutet, dass die Routinearbeit — saubere Responsive-Logik, konsistente Abstände, browserübergreifende Kompatibilität — deutlich schneller erledigt ist. Der kreative und strategische Teil, der wirklich zählt, bekommt dadurch mehr Raum.
Was früher 30 Stunden Custom-Entwicklung erfordert hat, ist heute in einem Bruchteil der Zeit umsetzbar. Diese Effizienz gehört an den Kunden weitergegeben — nicht in die Marge.
Der Trend: weg von WordPress, hin zu Custom
Meine persönliche Einschätzung, nach zwei Jahrzehnten im Markt: Der Trend geht klar in Richtung individueller, statischer Websites — gebaut mit HTML, CSS und JavaScript, ohne CMS-Overhead. Kein Plugin-Dschungel, keine Sicherheitsupdates alle zwei Wochen, keine Performance-Einbußen durch ein System, das mehr kann als man braucht.
Was früher gegen Custom gesprochen hat, war die Zeit. Diese Hürde ist mit modernen KI-Tools weggefallen. Man kann individuelle Layouts, eigene Animationen und maßgeschneiderte Strukturen jetzt wirtschaftlich anbieten — ohne auf Fertiglösungen zurückgreifen zu müssen. Das Ergebnis: mehr Flexibilität, weniger Abhängigkeiten, eine Site, die in fünf Jahren noch sauber gewartet werden kann.
Was das für die Preisgestaltung bedeutet
Dieser Effizienzgewinn hat eine direkte Konsequenz: Webentwicklung ist günstiger geworden — zumindest dort, wo die Einsparungen auch weitergegeben werden. Bei mir gibt es einfache One-Pager bereits ab 400 Euro. Möglich ist das, weil ich die Zeit, die ich durch moderne Werkzeuge spare, nicht als stille Margenverbesserung verbuche, sondern als realen Preisvorteil für den Kunden.
Eine Frage, die sich lohnt zu stellen
Ich möchte niemandem etwas unterstellen — jede Agentur und jeder Freelancer hat unterschiedliche Kostenstrukturen und Marktsegmente. Aber als Kunde halte ich es für vollkommen legitim, folgende Frage zu stellen: Hat sich in Ihrem Angebot in den letzten zwei Jahren irgendetwas an der Preisstruktur verändert?
Wenn die Antwort Nein lautet: Das muss kein Problem sein. Aber es lohnt sich zu verstehen, warum. KI-gestützte Entwicklungswerkzeuge sind seit 2025 in der Branche etabliert. Wer damit arbeitet, kann heute Dinge in der Hälfte der Zeit liefern. Wer diesen Vorteil nicht in seine Kalkulation eingebaut hat, sollte das erklären können — und Transparenz darüber ist das Mindeste, das Kunden einfordern dürfen.
Mehr zum modernen Techstack
Wie genau moderne Deployments mit Git und CI/CD-Pipelines funktionieren — und warum das auch für kleine Mittelstands-Sites relevant ist — erklärt der Artikel über modernes Deployment im Detail. Die kurze Version: Auch auf der Infrastrukturseite hat sich einiges getan, und Kunden profitieren davon in Form von stabileren, schneller aktualisierten und besser gesicherten Sites.